3 Fragen an Dominic von planet.training

Nicht zuletzt durch das Hawkeye hat die Technik größeren Einfluss auf den Fußball als viele gemeinhin denken. Wir haben mit Dominic von planet.training über den Einzug der modernen Technik in den Fußball gesprochen. Lest selbst wie er zu den technischen Hilfsmitteln steht, wie man moderne Technik auch im Amateurfußball einsetzen kann und was er den Fußballromantikern entgegensetzt

Torlinientechnik, Laufstreckentracking, Heatmaps und Videoanalysen von Trainingseinheiten sind nur einige technische Hilfsmittel, die im Profifußball genutzt werden. Was hältst du von den technischen Hilfsmitteln und wie kann man Ähnliches im Amateursport implementieren?
Ohne technische Hilfsmittel ist eine Leistungssteigerung im professionellen Hochleistungssport aus meiner Sicht nicht denkbar. Da der Profifußball ein finanziell sehr lukrativ aufgebautes Geschäft ist, müssen die Vereine alles daran setzen, die Leistung so hoch wie möglich zu halten. In großen Clubs geht das schon bei der Jugend los, alle Spieler werden durchgehend analysiert und bei entsprechenden Leistungen in Sportfördermaßnahmen gesteckt. Um konstant gute Leistung zu erzielen und sowohl Einzel- als auch Teamleistung zu erhöhen ist es unumgänglich Leistungswerte aufzunehmen und über lange Zeit zu beobachten und zu vergleichen. In Deutschland gibt es über 50 Fußball-Leistungszentren und knapp 60 professionelle Fußballvereine, in diesen finden sich technische Hilfsmittel jeglicher Art wieder. Ich möchte keine wirkliche Wertung abgeben welche Innovationen ich für gut und welche ich für schlecht erachte – es findet ein ständiger Wechsel statt und durch ständig neue Innovationen kommen jedes Jahr neue Produkte auf den Markt – andere verschwinden wieder.
Als großes Kriterium, ob ein technisches Hilfsmittel im Amateursport eingesetzt werden sollte, ist natürlich auch der Kostenfaktor zu nennen. Ebenso sind ärztliche Bestandsaufnahmen eines Amateursportlers überhaupt nicht vergleichbar mit der eines Profisportlers – dafür ist der Beobachtungsfaktor viel zu gering und die Varianz zu hoch. Wenn man also ein teueres Laktatmessgerät für eine Bezirksmannschaft einsetzen würde wäre es schlichtweg rausgeworfenes Geld, weil dafür der Trainingsfaktor zu gering ist und die Sportler außerhalb des Trainings zu wenig unter Beobachtung stehen.
Aber natürlich finden sich jetzt schon bestimmte Maßnahmen wie Laufstreckentracking durch Smartphone Apps wieder, auch werden vermehrt Kameras eingesetzt um Schusstechniken zu verbessern oder um Spiele aufzunehmen. Ich möchte gar nicht so sehr darauf eingehen was man im genauen verwenden sollte, aber ich halte grundsätzlich viel davon es auszuprobieren – ob es für das Team oder den Verein sinnvoll ist muss man von Fall zu Fall betrachten. Durch technische Innovationen und das sich stets weiterentwickelnde Internet wird es in Zukunft immer mehr Lösungen geben die auch für den Amateurverein /-trainer preislich interessant sind.
Was ist planet.training, welche Vorteile hat man durch die Nutzung des Programms und wie seid ihr auf die Idee gekommen die Technik auch immer mehr ins Amateurtraining einzubinden?
10606411_1456839137919266_4237557062852133959_nWir bieten mit planet.training eine Plattform für Trainer, auf der sie ihre Trainingsübungen und Spielformen visualisieren und kategorisieren können. Um das Visualisieren zu erleichtern haben wir eine grafische Zeichensoftware entwickelt, mit welcher sich sehr einfach und schnell Übungsbilder erstellen lassen. Diese lassen sich dann noch zusätzlich beschreiben und sowohl in private Übungssammlung als auch in der öffentlichen Datenbank verfügbar machen. Jeder Trainer kann also seine Übungen nur für sich speichern, oder für alle Nutzer von planet.training veröffentlichen. Letztere Übungen sind über eine Suche erreichbar, Trainer können die Übungen von anderen Trainern kommentieren, die öffentlichen Profile von anderen Trainern einsehen und private Nachrichten schreiben. Wir versuchen auf diese Art ein interessantes Forum für alle Trainer bereitzustellen, bei dem die Übungen und Spielformen im Vordergrund stehen. Trainer jeder Altersklasse haben also eine Plattform für Ideensammlung und Informationsaustausch mit anderen Trainern.
Auf dieser Übungsdatenbank aufbauend können Trainer ihre Trainingseinheiten mit Hilfe eines Kalenders planen. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf Trainingsdokumentation, wir versuchen das lästige dokumentieren von einzelnen Trainingseinheiten zu vereinfachen und zu professionalisieren. Jedes Training wird auf seinen Schwerpunkt hin geplant und zukünftig werden auch Leistungen und Teilnahme von Spielern gespeichert. Wir sind noch nicht ganz fertig mit dem vollen Funktionsumfang – kontinuierlich erweitern wir planet.training und versuchen die Plattform sehr an die Anforderungen der Trainer anpassen.
Die Idee von planet.training hat ihren Ursprung aus meiner Studienzeit, ich habe in meinem Sportwissenschaftsstudium mit Schwerpunkt Informatik eine Fußball-Scouting Software entwickelt. Da ich selber viele Jahre als Trainer Sportler tätig war kenne ich das Problem über Jahre hinweg ein interessantes Training zu gestalten und die zum Training zugehörige lästige Dokumentation zu erstellen. Schließlich muss man eine Übersicht haben, was eigentlich in den Vormonaten trainiert wurde und wie sich die Leistung der Spieler entwickelt hat. Mir ist aufgefallen, dass es zwar schon Softwarelösungen gab, jedoch sprach mich keine wirklich an. Viele Anwendungen waren mir von vornherein zu überladen und nicht wirklich intuitiv zu bedienen. Wir versuchen mit planet.training das Rad nicht wirklich neu zu erfinden, viel mehr sollen die elementaren Kernpunkte von Fußballtraining so einfach, strukturiert und visuell ansprechend auf eine Plattform gebracht werden, dass bestmöglich keine Wünsche mehr offen sind. Ebenso versuchen wir neben unseren eigenen Vorstellungen einer Fußballsoftware ständig die Meinung der Trainer einzuholen. Jedes Feedback ist immer gerne gesehen, wir wollen dass Trainer sich wohl fühlen und ihr Training “mit Spass” auf planet.training planen und dokumentieren. 
Viele Traditionalisten kritisieren den zunehmenden Einzug der technischen Hilfsmittel in den Fußball. Wie ist eure Meinung dazu und wo siehst du die Grenzen?
Ich kann die Haltung von Traditionalisten in manchen Fällen gut nachvollziehen. Viele Softwarelösungen sind leider nicht intuitiv bedienbar, oftmals auch überteuert und für einen Computerlaien eher ein Mehraufwand als eine Arbeitserleichterung. Man muss beachten, dass unsere Generation mit einem Computer aufgewachsen ist – ich habe meinen ersten 486 IBM Computer im Alter von 16 Jahren bekommen, die heutige Generation wächst ja schon mit einem Tablet auf. Bei Traditionalisten würde ich sagen, dass es sich um Trainer handelt die in ihrer Arbeit oder Schulzeit nie einen Computer verwenden mussten und diesem dementsprechend skeptisch gegenüberstehen. Ist ja auch vollkommen Nachvollziehbar – wenn sich solch ein Trainer mit einer Fußballanwendung herumschlagen muss, bei der er nicht versteht, welche Knöpfe er drücken muss und jedes Training in der Planung schon zu Qual wird. Dieser Trainer holt verständlicherweise seinen Block und Stift heraus und macht seine Aufzeichnungen handschriftlich.
Jedoch stirbt diese Generation an Trainern aus und computer- und technikversierte Trainer sind auf der Suche nach Lösungen, die ihr tägliches / wöchentliches Training unterstützt. Jedoch ist der Markt voll von hunderten Apps die einem irgendwie ein besseres Training ermöglichen sollen. Hierbei muss man von Fall zu Fall persönlich entscheiden, ob es sich rentiert oder nicht. Früher ist jeder noch gemütlich eine Stunde durch den Wald gejoggt – jetzt führt man sein Smartphone mit und zeichnet die Strecke mit einer App auf und kann dann seine Leistung vergleichen. Hierbei gibt es eine ganz wichtige Komponente: die Motivation. Wenn technische Hilfsmittel dazu motivieren Sport zu treiben – dann unbedingt. Jedoch nutzt sich auch jede App mit der Zeit ab und neue Motivationsreize müssen gesetzt werden.
Klare Grenzen sehe ich auf der menschlichen Ebene. Kein technisches Hilfsmittel kann Trainer und dessen zwischenmenschliche Fähigkeit ersetzen. Und diese Komponente ist nunmal die allerwichtigste im Training – wenn der Trainer kein gutes Training macht und nicht gut auf die Bedürfnisse seiner Mannschaft reagiert, dann bringen die teuersten Hilfsmittel nichts. Gerade im Jugendbereich ist der persönliche Einfluss des Trainers besonders groß und durch individuelles Eingehen werden Kids zu besonderen Leistungen motiviert. Im Amateurfußball ist die wichtigste Komponente der Spass und der Zusammenhalt der Mannschaft – dieser wird hauptsächlich vom Trainer gegeben. Welche Hilfsmittel ein Trainer verwendet muss er entscheiden – alles ist erlaubt, was für ihn von Nutzen ist und den Trainerjob erleichtert.
Vielen Dank für das Interview!

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