Bayer 04 Leverkusen – FC Barcelona

Bereits vor dem Spiel ist eine Spannung in der Luft zu spüren. Fans, Spieler und Verantwortliche fieberten seit Wochen auf diese Partie hin. Nun ist es soweit, die junge Werkself trifft auf die großen Weltstars des FC Barcelona. Während der FC Barcelona im offensiven 4-3-3 aufläuft, startet die Werkself mit einem sehr defensiven 4-1-4-1 ohne echten Stürmer. Überraschend bei der Aufstellung der Leverkusener ist, dass im Vergleich zur Partie gegen den BVB der Stürmer Stefan Kießling durch Renato Augusto, einen weiteren Mittelfeldspieler, ersetzt wird.

1. Halbzeit

In der 1. Halbzeit merkt man den jungen Bayer-Kickern deutlich den Respekt gegenüber dem vermeintlich weltbesten Team an. Das Heimteam verhält sich wie das Kaninchen vor der Schlange. Barcelona hat knapp 80% Ballbesitz und wenn Leverkusen doch einmal den Ball erobern kann, wird er ziellos nach vorne gebolzt. Trotzdem muss man konstatieren, dass Dutts Defensivtaktik 40 Minuten erfolgreich ist. Dem FC Barcelona fällt außer minutenlangen ermüdenden Ballstafetten nicht viel ein. So ist es in der 40. Minute auch der erste grobe individuelle Fehler, der zur 1:0 Führung des FC Barcelona führt. Eingeleitet durch eine schlechte Kopfballabwehr von Friedrich, spielt Lionel Messi einen Traumpass zu Alexis Sanchez, der mit der 1.Chance eiskalt zur 1:0 Führung einnetzt. So geht die Werkself mit einem knappen Rückstand in die Pause, der aufgrund der passiven und ehrfürchtigen Spielweise nicht ganz unverdient ist.

2. Halbzeit

Die Werkself kommt wie ausgewechselt aus den Katakomben. Trainer Dutt verordnet seinen Spielern eine offensivere Spielweise und stellt taktisch um. Renato Augusto wechselt für Schürrle, der fortan den rechten Flügel besetzt, in die Sturmspitze. In der 52. Minute trägt die deutlich engagiertere und mutigere Spielweise bereits Früchte. Renato Augusto spielt den Ball raus auf Corluka, der flankt den Ball in die Mitte, wo Kadlec den kleinen Chilenen Sanchez überspringt und zum 1:1 einköpft. Dieser Spielstand hat nur wenige Minuten Bestand. In der 55. Minute ist es nämlich wieder der starke Alexis Sanchez, der nach guter Vorbereitung von Fabregas, Leno umkurvt und zum 2:1 für Barcelona treffen kann. Der Leverkusener Manuel Friedrich macht bei diesem Tor wieder einmal eine unglückliche Figur. Danach folgen noch einige Chancen auf beiden Seiten. So treffen Messi und Castro jeweils den Pfosten und Kießling sowie Renato August scheitern an Torhüter Valdes. In der 88. Minute ist es dann die individuelle Klasse des Weltfußballer des Jahres 2012 die den Unterschied ausmacht. Stefan Reinartz kann Lionel Messis Antritt nicht unterbinden, dieser spielt einen Zuckerpass auf Dani Alves, der in die Mitte flankt, wo der schnelle Argentinier zum 3:1 einnetzt.

Fazit

In der 1. Halbzeit spielt Leverkusen taktisch diszipliniert und lässt wenige Chancen zu. In der 2. Halbzeit ist es weitgehend ein offenes Spiel auf Augenhöhe. Im Endeffekt ist FC Barcelona vor allem aufgrund ihrer individuellen Klasse eine Nummer zu groß für die Leverkusener Elf, die aber keineswegs enttäuschte.

Was bleibt nach einem großen Fußballabend ist Enttäuschung, Zufriedenheit, Trauer und Stolz. Enttäuscht bin ich darüber, dass ein Spiel verloren wurde, welches mit ein bisschen mehr Glück und Mut auch anders hätte ausgehen können. Außerdem bin ich enttäuscht, dass es an diesem Abend leider nicht zu einem Wunder, worauf viele gehofft haben, gereicht hat.

Zufrieden bin ich mit der Tatsache, dass man den großen FC Barcelona vor große Probleme gestellt hat und es im Laufe des Spieles überhaupt die Möglichkeit gab, dass Bayer Leverkusen einem Sieg nahe kommen könnte. Außerdem bin ich zufrieden mit der Leistung der Mannschaft, die sich heute taktisch diszipliniert und kämpferisch sehr stark präsentierte. Man hatte das Gefühl, wenn auch nicht immer alles klappte, dass Jeder für den Anderen mitläuft und versucht dessen Fehler auszumerzen. Ein Gefühl was in der bisherigen Saison nur selten aufkam. Des Weiteren bin ich heute ausnahmsweise zufrieden mit Robin Dutt. Auch wenn mich seine Aufstellung überrascht hat, halte ich das System ohne echte Spitze, dafür aber mit vielen Rochaden im Mittelfeld für ein System, was in der Zukunft häufiger eingesetzt werden sollte. Gerade bei der aktuellen Formschwäche und der generellen technischen Fähigkeiten unserer Stürmer, sollte man dieses System öfter in Betracht ziehen, damit nicht jede Kombination durch technische Unzulänglichkeiten des Stoßstürmers unterbunden wird.

Traurig bin ich darüber, dass Leverkusen nun höchstwahrscheinlich nicht in das Viertelfinale der Champions League einziehen wird. Gerade heute wurde mir bewusst, wie schade es ist, dass die Werkself im nächsten Jahr aller Wahrscheinlichkeit nach nicht in der Champion League vertreten sein wird.

Stolz bin ich darauf, dass ich Teil dieses großen Fußballabends war und einer Leverkusener Mannschaft zusehen durfte, die kämpfte, arbeitete, teilweise guten Fußball spielte und den großen FC Barcelona vor große Schwierigkeiten stellte. Außerdem bin ich heute einmal stolz auf die Fans der Werkself. Die Stimmung war dem Anlass mehr als angemessen und beim Ausgleich schien die BayArena quasi zu explodieren.

Hier einmal in paar Eindrücke von der Stimmung vor dem Spiel:

Ausblick

Für die Partie gegen den FC Augsburg erhoffe ich mir eine ähnliche Einstellung, wie an diesem Abend. Außerdem sollte Robin Dutt zwar eine offensivere Marschrichtung vorgeben, doch das Personal sollte weitestgehend dasselbe bleiben. Die einzige Änderung, die ich vornehmen würde, wäre Toprak für den sehr fehleranfälligen Manuel Friedrich auf die Position des Innenverteidigers zu stellen.

Was sagt ihr zum Spiel? Wie fandet ihr die Leistung der Werkself?

7 Responses to Bayer 04 Leverkusen – FC Barcelona

  1. djs2e sagt:

    Manchmal frage ich mich, ob Reporter überhaupt Ahnung vom Fußball haben 😀

    Bei Youtube einfach mal eingeben: Rudi Völler vs. Ecki Heuser

  2. Konny sagt:

    ich persönlich hätte die aufstellung nicht so defensiv gemacht: kießling auf der bank sitzen zu lassen fand ich ziemlich daneben, und die auswechslungen kamen viel viel zu spät, rolfes hätte schon zur hz rausgemusst und die anderen beiden hätten um die 60-70. min reingemusst, in der 90. 2x zu wechseln ist dämlich, aber von der 2. hz war ich insg begeistert, leider hatten wir wieder mal pech mit dem schiri, der klar pro barca gepfiffen hatte, aber machen wir uns nichts vor, schuld war das eigene unvermögen…ich hätte mir sowas wie gegen valencia gewünscht, dass man auf tempofußball schaltet, aber offentsichtlich hat die qualität der spieler unter dutt derart gelitten, dass selbst einfache pässe nicht mehr klappten, unter den gegeben umständen war es also sehr ordentlich und es fiel sogar ein tor für die werkself, mit dem ich nicht mehr gerechnet hatte, wenn wir einen trainer gehbt hätten, hätten wir sicher gegen ein vergleichsweise schwaches barca mind ein unentschieden rausholen können, aber was solls :/ ich war übrigens d4 und hatte ne 1A aussicht

    • djs2e sagt:

      Ich fand die Aufstellung gut! Gerade in der 2. Hälfte merkte man, wie gut es ist, wenn alle Offensivspieler in Kombinationen eingebunden werden können. Bei uns in der Mannschaft sind einfach einige Spieler auf höchstem Niveau nich konkurrenzfähing. Technisch und von der Handlungsschnelligkeit bekamen einige Spieler eindeutig ihre Grenzen aufgezeigt. So Spieler wie Rolfes, Friedrich, Schwaab und Kießling bringen uns langfristig nicht wirklich weiter. Wenn wir irgendwann modernen, technisch sauberen Kombinationsfußball spielen wollen, müssen wir diese Spieler austauschen. Ich glaube nicht, dass wir mit irgendeinem anderen Trainer gegen Barca mehr geholt hätten. Ich fand seine Aufstellung und Einstellung der Mannschaft gut und die Wechsel waren auch in Ordnung, wobei der Kießling-Wechsel sich im Nachinein als Fehler entpuppte, weil uns dadurch die gute Ordnung verloren ging und Messi mehr Platz im Zentrum hatte. Wodurch dann ja auch das 3:1 gefallen ist.

      • Konny sagt:

        rolfes war meiner meinung mal wieder der totalausfall schlechthin, außerdem wäre diese mauertaktik über kurz o lang auch nicht aufgegangen, also musste offensiver gespielt werden, die wechsel wie gesagt zu spät…bei kies widerspreche ich dir, er hat zwar kaum glück mit den toren, aber er ist weitaus lauffreudiger, als manch andrer und verkörpert unsere moral, die bayer norm. ausmacht zu 1904% schwaab war ja diesmal gar nicht mal so schlecht, aber ihn und rolfes hätte ich schon längst verkauft, grundsätzlich ist diese mannschaft in der lage gut zu spielen, zumind wenn sie nicht so viele verletzte haben, das lief zwar nie konstant gut, aber dennoch wesentlich besser, als zur zeit, ich denke wie gesagt an zb valencia, aber auch schon die leistung bzw die kurzzeitige klasse gegen dresden hätte uns hier ganz anders wirken lassen: zum trainer, letzte saison war ja schon spielerisch nicht schön, aber da lief es noch einigermaßen und ich bin mir sicher, dass wir, wenn wir favre diese saison gehabt hätten, ganz anders da stehn würden

        • djs2e sagt:

          Also Kieß ist ein super Typ, darüber brauchen wir uns nicht streiten, aber das heißt noch lange nicht, dass er uns fußballerisch weiterbringt. Der Junge ist für offensiven Kombinationsfußball einfach ungeeignet, das ist zwar schade aber Fakt.

          Ja Valencia, Dresden und vllt noch Wolfsburg andere Gute Spiele fallen mir auch nicht ein. Traurig aber wahr! Ich weiß nicht, ob ein andere Trainer in einem solchen Umfeld besser gearbeitet hätte. Einem Klopp traue ich das zu, bei Favre bin ich mir noch nicht ganz sicher, wobei er überragende Arbeit in Gladbach leistet.

          • Konny sagt:

            favre ist jedenfalls das paradebeispiel, was ein guter trainer bewirken kann, gladbach war die schießbude nr 1 und jetzt können sie sogar meister werden, also noch mehr kann man fast gar nicht vom tellerwäscher zum millionär werden. ja du hast recht, das umfeld bei uns ist rau und bevor wir holzhäußer 2014 loswerden wird das meiner meinung auch nichts mehr mit bayer, aber trotzdem, so wenig selbstvertrauen wie zur zeit hatten sie noch nie und die pässe waren auch soweit ich mich erinnern kann schon länger nicht mehr so schlecht

  3. […] 10. Bayer 04 Leverkusen – FC Barcelona […]

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