Bayer 04 – Verleihen mit Erfolg?

Seit Jahren vollziehen die Verantwortlichen der Werkself eine spezielle Verleih-Strategie. Bei dieser Strategie werden junge talentierte Spieler kleinerer Vereine frühzeitig verpflichtet und weiterverliehen. Dabei treibt Rudi Völler und Co die Hoffnung an, dass talentierte Spieler, die zum Zeitpunkt der Verpflichtung oder zum Zeitpunkt des Aufstiegs in den Seniorenbereich noch nicht die nötige Klasse für die Stammelf der Werkself haben, während ihrer Leihe diese durch verstärkte Spielpraxis entwickeln. Neben zahlreichen „Fehlschlägen“ gibt es auch einige Erfolgsgeschichten. Aktuell sind 6 Spieler von Bayer 04 Leverkusen innerhalb Europas verliehen.

Reinartz und Hegeler als Paradebeispiel

Als positive Beispiele der Verleihstrategie muss man sich nur den aktuellen Kader der Werkself anschauen. Mit Jens Hegeler und Stefan Reinartz stehen zwei ehemalige Leihspieler im Kader von Bayer 04 Leverkusen. Jens Hegeler wurde in der Saison 2008/09 zum damaligen Zweitligisten nach Augsburg verliehen und konnte dort auf Anhieb zahlreiche Profieinsätze verbuchen. Nach 2 erfolgreichen Jahren wurde Hegeler nach Nürnberg verliehen, wo er in der Bundesligaelf des „Clubs“ 65 von 68 Spielen bestritt. Auch wenn Hegeler nicht immer Stammspieler war, erwies er sich als fähiger Bundesligaspieler und kehrte zur vergangenen Saison nach Leverkusen zurück. Auch wenn sich der Mittelfeldspieler zunächst schwer tat, machte er zum Ende der letzten Saison einen großen Sprung und überzeugte mit großartigen Leistungen, sodass ihm Rudi Völler und Wolfgang Holzhäuser eine Vertragsverlängerung bis 2017 anboten, die das Eigengewächs dankend annahm. Nach einer Verletzung in der Vorbereitung kommt Hegeler in dieser Saison noch nicht so richtig zum Zuge. Aber immerhin 9 Einsätze und ein entscheidendes Traumtor in der Champions League zeugen von großem Potenzial. Stefan Reinartz ist so etwas wie das Vorzeigebeispiel der Ausleihstrategie. Der Innenverteidiger wechselte zur Saison 2008/09 zum 1.FC Nürnberg und etablierte sich als Stammspieler in der 2. Bundesliga. Nach nur einem halben Jahr im Frankenland holte man das Eigengewächs zurück ins Rheinland. Mittlerweile schaffte es der defensive Mittelfeldspieler sogar in die Nationalelf und das als Spieler aus Leverkusen. Weitere erfolgreiche Beispiele der Verleih-Strategie sind Tranquillo Barnetta oder Pirmin Schwegler, die beide auf eine gute Bundesligakarriere verweisen dürfen.

Die Negativ-Beispiele

Bei so vielen positiven Beispielen gibt es auch einige, die den Sprung in den Kader der Werkself nie schafften. So wurde Burak Kaplan als vielversprechendes Talent nach Fürth ausgeliehen und spielt mittlerweile bei Fethiyespor einem Abstiegskandidaten der ersten türkischen Liga. Michael Ortega wurde nach einigen vielversprechenden Kurzauftritten bei Bayer 04 Leverkusen zu Beginn der vergangenen Saison zum VfL Bochum ausgeliehen, wo er nie Fuß fassen konnte. Mittlerweile ist der Kolumbianer wieder zurück in der Liga seines Heimatlandes. Neben diesen beiden Negativbeispielen gibt es noch zahlreiche andere Spieler, die es aus verschiedenen Gründen nie zurück nach Leverkusen schafften.

Aktuelle Beispiele der Verleih-Taktik

Aktuell sind 6 Spieler von der Werkself verliehen. Hier ein Überblick:

Danny da Costa (FC Ingolstadt): In seiner 2. Saison beim Zweitligisten aus Ingolstadt hat sich Danny da Costa endgültig etabliert. Der junge Rechtsverteidiger besticht durch gute Offensivqualitäten, vergisst aber bisweilen in der Defensive ähnlich konsequent zu agieren. Obwohl sein Team in den unteren Regionen der 2. Liga rumdümpelt gehört Da Costa zu den besten Spieler seines Teams und wird am Ende seiner Leihzeit in Ingolstadt entweder in den Kader der Werkself integriert oder an einen ambitionierteren Verein weiterverliehen.

BellarabiKarim Bellarabi (Eintracht Braunschweig): Der schnelle Außenstürmer hat bereits in der letzten Saison in Leverkusen seine Qualitäten aufblitzen lassen. Gerade zu Beginn der letzten Saison konnte er sein Können einige Male unter Beweis stellen. Nach einer Verletzung in der diesjährigen Sommervorbereitung wurde Bellarabi an seinen Heimatverein Eintracht Braunschweig verliehen, wo er auf Anhieb mit starken Leistungen zu überzeugen wusste. Regelmäßig ist er der beste Spieler im Team des Aufsteigers. Pfeilschnell, trickreich und brandgefährlich präsentiert sich der junge Deutsch-Marokkaner und viele Menschen rund um die Werkself wünsch sich schon jetzt das große Talent zurück.

Arkadiusz Milik (FC Augsburg): Das wohl größte polnische Sturmtalent seit Robert Lewandowski wurde der Backup-Posten hinter Stefan Kießling noch nicht zugetraut. Daher wurde Milik zu Beginn dieser Saison nach Augsburg verliehen, wo er bereits auf einige Kurzeinsätze und ein Tor kommen konnte. Sollte er sich im Laufe der Saison in Augsburg durchsetzen steht einer Rückkehr nach Leverkusen nichts im Wege. Falls dies nicht der Fall sein sollte, würde wohl eine weitere Leihe des hochtalentierten Stürmers im Raum stehen.

Joel Pohjanpalo (VfR Aalen): Das große finnische Talent wurde kurz vor Transferfrist von HJK Helsinki verpflichtet und zum VfR Aalen weiterverliehen. Von der Champions League ging es in die Provinz der 2. Bundesliga. Dort kam der Finne bisher lediglich dreimal zum Einsatz. Nach den bisherigen Leistungen wird er wohl noch etwas länger verliehen werden.

Junior Fernandes (Dinamo Zagreb): Nach einem verkorksten Jahr in Leverkusen wurde Junior Fernandes zum kroatischen Spitzenklub Dinamo Zagreb verliehen. Dort blüht der chilenische Nationalspieler auf und schoss einige sehenswerte Tore in der kroatischen Liga, Champions League Qualifikation und der Europa League. Obwohl die Werkself auf der Suche nach einem flexiblen Stürmer ist, wird Fernandes wohl nicht mehr für Leverkusen auflaufen werden, da Dinamo Zagreb laut Medienberichten eine Kaufoption für den Chilenen besitzt.

Christoph Kramer (Borussia Mönchengladbach): Das nächste Eigengewächs auf der Ausleihliste der Werkself ist Christoph Kramer. In den vergangenen 2 Jahren spielte Kramer beim VfL Bochum und wuchs zu einem Führungsspieler der Bochumer heran. Als die Leihe mit Ruhrpottverein auslief entschied man bei der Werkself, dass Kramer noch nicht weit genug ist, um gegen Bender, Rolfes, Reinartz und Castro auf genügend Einsatzzeit zu kommen. Damit die Entwicklung des Eigengewächses nicht zu gefährden entschied man sich Kramer an Borussia Mönchengladbach zu verleihen. Dort spielte sich Kramer erstaunlich schnell in die erste Elf und wird nach seiner Leihe in 18 Monaten sicherlich einen Platz im Kader der Werkself erhalten oder mit einer hohen Ablösesumme weiterverkauft.

Erik Zenga (VfL Osnabrück): Zu gut für die Regionalliga, aber noch nicht weit genug für den Profikader. So lautete das Urteil der Werkself-Verantwortlichen vor der Saison. Also verlieh man Erik Zenga zum VfL Osnabrück, wo er mittlerweile Stammspieler im defensiven Mittelfeld des Drittligisten ist. Wahrscheinlich wird er nochmal ausgeliehen, vielleicht geht es dann zu einem Zweitligisten.

Vor allem Kramer und Bellarabi werden in Zukunft sicherlich eine Rolle bei den Kaderplanungen der Werkself spielen. Bei den anderen Leihspielern wird man die Entwicklung abwarten müssen.

One Response to Bayer 04 – Verleihen mit Erfolg?

  1. David sagt:

    Hi.
    Sehr interessanter und gut recherchierter Artikel! Ich sehe es aber so, dass das Modell des „Verleihens“ IMMER Sinn macht. Um deine Frage zu beantworten: Ja – mit Erfolg! Denn selbst wenn es verliehene Spieler nicht schaffen sich für – in diesem Fall Leverkusen – zu beweisen bzw. zu empfehlen, dann genügen sie den Ansprüchen eben nicht. Und um dies herauszufinden, macht es immer Sinn, diese jungen Spieler zu verleihen, wenn sie im eigenen Kader kurzfristig keinen Platz haben (Konkurrenz, Verletzungsbedingt, etc.). Denn es ist doch besser, wenn diese jungen Burschen auf hochem Niveau bei Augsburg, Fürth, Gladbach oder wem auch immer spielen, als in der eigenen Jugendmannschaft oder in der U23 in Liga 4. Daher macht es einfach Sinn solche Spieler zu verleihen und dann zu schauen, wer kann es bei mir packen und wer eben nicht. Und somit sind dann auch die Leihen, welche sich nicht bewährt haben, ein Erfolg. Denn man weiß, dass man anders planen muss bzw. für höhere Qualität sorgen muss.
    Gruß

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