Borussia Dortmund und Schalke 04 ein ökonomischer Vergleich

Die Bundesliga-Hinrunde ist fast beendet und der FC Bayern steht praktisch als Herbstmeister fest. Hinter dem großen Favoriten stehen die beiden Ruhrpott-Klubs Schalke 04 und Borussia Dortmund. Es sieht so aus, als würde es in dieser Saison ein Kopf-an-Kopf Rennen um die Vorherrschaft im Pott und um den 2. Platz in der  Meisterschaft geben. Wie die ökonomische Lage in diesen von Krisen gebeutelten Vereinen aussieht und wer aus finanzieller Sicht die Macht im Ruhrgebiet ist, versuche ich in diesem Artikel zu beantworten.

Die erste ökonomische Kennzahl die ich betrachte, ist der Umsatz. Der FC Schalke 04 hat in der letzten Saison einen Umsatz von 169,47 Millionen € gemacht und damit 33,07 Millionen € mehr als der BVB umgesetzt. Beide Vereine konnten ihre Umsätze in den letzten 7 Jahren  um über 80 % steigern. So konnten die Schalker ihren Umsatz in den letzten sieben Jahren um 79,27 Millionen  € und die Dortmunder ihren um 62,5 Millionen € erhöhen. Vor allem das internationale Auftreten der Schalker hat im letzten Jahr zu erhöhten Einnahmen geführt, sodass Schalke momentan der umsatzstärkste Klub aus dem Ruhrpott ist. Wenn man aber zum Vergleich den Branchenprimus und Rekordmeister FC Bayern München heranzieht, sieht man, dass die beiden Ruhrpottklubs noch deutlichen Abstand zur absoluten Spitze haben.

Um genauer betrachten zu können wo die Unterschiede zwischen den Revierklubs liegen, lohnt es sich die Umsätze in einzelne Sparte zu unterteilen.  Während Schalke aufgrund der Champions League deutlich mehr Einnahmen aus der TV-Vermarktung generierte, konnte der BVB etwas mehr Einnahmen aus Werbung erlösen.  Grundsätzlich ist aber zu bemerken, dass beide Vereine eine ähnliche Umsatzstruktur haben und ihre Einnahmen in ähnlicher Höhe aus den gleichen Quellen generieren.

Im Verlauf der Jahre haben sich die Einnahmen in fast allen Sparten erhöht. Vor allem haben sich aber die Einnahmen aus der TV-Vermarktung deutlich gesteigert. Außerdem kann man erkennen, dass in den sportlich erfolgreichen Jahren (z.B. Qualifikation für CL-League) die Einnahmen aus der TV-Vermarktung deutlich steigen. Dass der FC Schalke 04 in jedem Jahr mehr Umsatz macht als der BVB, hängt vor allem mit dem größeren sportlichen Erfolg und den damit verbundenen TV-Einnahmen zusammen.

Bei der momentanen Situation und dem letztjährigen Meistertitel des BVB könnte man davon ausgehen, dass beide Vereine ähnlich viel in ihr Personal investieren, doch Schalke hat schon seit Jahren einen deutlich höheren Personaletat. Vor allem in der Ära Magath erhöhte sich neben der Anzahl an Spielern im Lizenzspielerkader auch die Höhe der Personalkosten des Kaders. Man konnte zwar in der Saison 2009/10 einen 2.Platz feiern, aber gerade die letzte Saison zeigte, dass Geld allein keine Tore schießt. Unter Manager Horst Heldt versucht der FC Schalke momentan seinen großen Kader zu verkleinern, um damit die extrem hohen Personalkosten zu senken. Beim BVB hat man einen relativ kleinen aber hochwertigen Kader, der aber in nächster Zeit bei anhaltendem Erfolg noch teurer werden dürfte. Erste Ansätze in diese Richtung sind in der Saison 2010/11 schon zu beobachten.

Beide Vereine konnten in diesem Jahr einen Gewinn einfahren. Während Dortmund in den letzten 4 Jahren höchstens relativ kleine Verluste machte, musste Schalke im Magath Jahr 2009/10 einen Verlust von 16,6 Millionen € hinnehmen. Dieser ist vor allem mit hohen Transferzahlungen für Jurado oder Huntelaar zu begründen. Da ein Fußballverein keine Gewinnerzielungsabsicht hat und „nur“ kostendeckend arbeiten muss, kann man sagen, dass dies die beiden Revierklubs insgesamt in den letzten Jahren einhalten konnten.

Fazit: Aktuell ist der FC Schalke 04 dem Umsatz nach zu urteilen die führende Kraft im Ruhrpott. Doch dieser Fakt ist einzig und allein dem sportlichen Erfolg der letzten Jahre zuzuschreiben. Ich denke der BVB wird in dieser Saison einen neuen Rekordumsatz verzeichnen können und mindestens mit dem FC Schalke gleichziehen. Weiterhin denke ich, dass der FC Schalke in dieser Saison Umsatzeinbußen hinnehmen muss, da die Einnahmen aus der Champions League fehlen. Falls sich beide Vereine diese Saison für die nächste Champions League qualifizieren sollten, dann werden sie in Zukunft auf einem ähnlichen finanziellen Niveau arbeiten. Damit wäre die Grundlage für weitere spannende Derbys auf Augenhöhe gegeben.

(Zahlen stammen aus offiziellen Geschäftsberichten oder Pressemitteilungen)

7 Responses to Borussia Dortmund und Schalke 04 ein ökonomischer Vergleich

  1. Herr Wieland sagt:

    Woher stammen die Zahlen und wie lässt sich der große Sprung in den Personalkosten des BVB im letzten Jahr erklären?

    • djs2e sagt:

      Die Zahlen stammen aus den offiziellen Geschäftsberichten der beiden Vereine. Einige Zahlen stammen auch aus Pressemitteilungen der Klubs.

      Der große Sprung in den Gehaltskosten ist vor Allem auf die hohen erfolgabhängigen Prämienzahlung (Meisterschaftsprämie) zurückzuführen.

  2. meinzu sagt:

    Sehr interressanter Artikel, eigentlich sieht man immer nur das schlechte bei beiden Klubs. (Wenn man auf der anderen Seite steht)
    Danke für die sicherlich große Mühe. Vielleicht sind wir doch gar nicht so unterschiedlich *duckundweg*.
    Der BVB hat zwar höhere PA Kosten im letzten Jahr, diese werden allerdings durch den Mehrgewinn der Meisterschaft nicht aufgefressen. Also können wir auch ruhig mal Meister werden ohne Pleite zu gehen.

  3. Marcus Bark sagt:

    Sehr interessant, habe es aus Zeitgründen aber bislang nur überfliegen können. Glaube, dass die Vergleiche deshalb ein wenig hinken, weil die beiden Vereine unterschiedlich bilanzieren. Beim S04 ist Geschäftsjahr = Kalenderjahr, beim BVB läuft das Geschäftsjahr vom 1.7. bis 30.6. Oder hat mich mein Gedächtnis verlassen? Nichtsdestotrotz ein schöner Beitrag.

    • djs2e sagt:

      Danke für eure Kommentare! Dein Gedächtnis hat dich nicht verlassen, der FC Schalke bilanziert im Kalenderjahr und der BVB Saisonweise. Ich habe aus Vereinfachungs- und Vergleichbarkeitsgesichtpunkten diese Tatsache nich berücksichtigt. Eigentlich kann man die Zahlen nur eingeschränkt vergleichen, aber ich bin ja auch nicht zu tief in die Materie eingestiegen. Der zeitraum bleibt ja im Prinzip der gleiche auch wenn der Zeitpunkt der Stellung der Bilanz ein unterschiedlicher ist. Ich hoffe ihr konntet einen guten Überblick über die Umsatzstruktur der Revierklubs gewinnen.

      @meinzu: Natürlich ist ein Titel für den Umsatz nicht gerade abträglich! Hauptsächlich bleiben der BVB und der FC Schalke 04 Fußballvereine, welche sportlichen Erfolg erreichen wollen und das finanzielle nur die Rahmenbedingungen determiniert.

  4. […] Mittlerweile (Saison 2010/11) befindet sich der BVB auf Rang 16 der umsatzstärksten Vereine Europas. Mit einem Rekordumsatz von 191,21 Million € in der Saison 2011/12 sollten sie nun in die Top 10 vordringen können. Der FC Bayern ist mit einem Umsatz jenseits der 300-Millionen Marke zwar noch eine ganz andere Liga, aber der Abstand zu den Bayern halbierte sich innerhalb der letzten 2 Jahre. Aus Deutschland kann außer dem BVB und dem FC Bayern nur noch der FC Schalke 04 im Konzert der umsa…. […]

  5. […] 6.Borussia Dortmund und Schalke 04 ein ökonomischer Vergleich […]

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