Die Fehler der Ära-Dutt

Vor ziemlich genau 2 Wochen wurde Robin Dutt in Leverkusen entlassen, dabei wurden ihm einige Fehler zum Verhängnis, welche er zum Teil nicht einmal selbst zu verantworten hatte.

1.Kaderplanung

Der Kader der Werkself ist von der Qualität und der Quantität nur in absoluter Topform und bei ausbleibendem Verletzungspech fähig um die Champions League Plätze mitzuspielen. Insbesondere der Abgang von Arturo Vidal, dem besten Werkself-kicker der Saison 2010/11, erwies sich als nicht zu kompensieren. Zwar konnte Lars Bender in der Abwesenheit des chilenischen Weltklassespielers zum Nationalspieler reifen, doch trotzdem gelang es nicht den Chilenen, der regelmäßig den Unterschied ausmachte, auch nur ansatzweise adäquat zu ersetzen. Außerdem wurde verpasst die offensichtliche Schwachstelle in der Verteidigung nach dem Abgang von Sami Hyypiä durch einen erfahrenen Neuzugang zu stärken. Anstattdessen wurden alle Hoffnungen auf die unerfahrenen Innenverteidiger Reinartz, Toprak oder Schwaab gesetzt, welche eine ähnliche Entwicklung wie das Dortmunder Duo Hummels/Subotic nehmen sollten, was aber bisher nicht gelang. Zu allem Überfluss wurde versäumt die fast schon traditionell schwache Rechtsverteidigerposition vor der Saison durch eine Neuverpflichtung zu besetzen. Dieser Fehler wurde in der Winterpause schlussendlich erkannt und Vedran Corluka verpflichtet. Dass Andre Schürrle nicht die erhoffte Verstärkung wurde, kam zu der ganzen Entwicklung erschwerend hinzu. So bekam Dutt einen Kader vorgesetzt, welcher unter Heynckes auf seinem Zenit gespielt hat und der nicht auf das von Dutt präferierte Spielsystem ausgelegt war. So fehlt Leverkusen weiterhin ein Stürmer, der im 4-2-3-1 System effektiv als einzige Spitze agieren kann. Zusätzlich wurde der ohnehin schon kleine Kader von einer beispiellosen Verletzungsmisere verfolgt, sodass nur selten die „theoretisch“ beste Elf auf dem Platz stehen konnte.

2.Außendarstellung

Der Verein gab in dieser Saison ein äußerst fragwürdiges Bild in den Medien ab. Zuerst gab es Probleme mit dem Sponsor. Dann schürte man bei den Fans falsche Hoffnungen, indem man öffentlich vom Meistertitel sprach. In der Folgezeit wurde der verdiente Nationalspieler Michael Ballack öffentlich demontiert, der wiederum ließ lieber seinen Berater öffentlich für sich sprechen. Zusätzlich gab es den fortwehrenden Konflikt zwischen Mannschaft und Trainer, wobei zumeist künstlich aufgebauschte Banalitäten in den Medien zirkulierten. Zu guter Letzt wurden Niederlagen von allen Verantwortlichen in altbewehrter Manier schöngeredet, sodass sich Bayer 04 Leverkusen in der Außendarstellung nur geringfügig besser präsentierte, als der Nachbar aus Köln.

3. Zu hohe Erwartungshaltung

Durch den 2. Platz in der Saison 2010/11 und dem allzu forschen Auftreten in den Medien wurde eine zu hohe Erwartungshaltung geschürt, ungeachtet der Tatsache, dass in der Vorsaison etliche Mannschaften unter ihren Möglichkeiten blieben, darunter auch Mannschaften wie der FC Bayern und der FC Schalke 04. Außerdem wurden die Schwierigkeiten, die mit der Verpflichtung eines neuen Trainers und der damit verbundenen Eingewöhnungszeit einhergeht, unterschätzt, sodass es zu einer unrealistischen Erwartungshaltung kam. Gerade die Statements von Robin Dutt in seiner Anfangszeit erhöhten die Erwartungshaltung noch einmal ungemein. Dabei stellt sich die Frage, warum sich ein neuer Trainer selbst einen solchen Druck auferlegt, anstatt zuerst einmal vorsichtig auf die Euphoriebremse zu treten.

4.Mangelnde Überzeugung

Natürlich ist es für einen neuen Trainer immer schwer Nachfolger eines erfolgreichen und allseits geschätzten Trainers zu sein. So gelang es Dutt nicht die Spieler von seiner Spielidee zu überzeugen. Selbst kleine Änderungen in den gewohnten Abläufen, wie zum Beispiel Ernährung und Trainingssteuerung, wurden hinterfragt oder boykottiert. Große Änderungen, wie das entwickeln eines modernen Spielsystems, scheiterten vor allem aus diesem Grund. So kam es zu einer Lagerbildung im Kader der Werkself. Auf der einen Seite die Spieler, die Dutt gegenüber kritisch eingestellt waren, wie Rolfes, Balitsch oder Kießling, und auf der anderen Seite die zumeist jungen Spieler, die Dutt vorbehaltlos folgten. Um allen gerecht zu werden, ging Robin Dutt in der Folgezeit Kompromisse ein, die im Nachhinein ihm eher geschadet als geholfen haben.

 5. Die Ballack-Problematik

Er wurde geholt um eine junge Mannschaft auf ein neues, besseres Niveau zu heben. Doch außer großer Aufmerksamkeit in den Medien brachte er dem Verein relativ wenig. Wenn Ballack spielen konnte und durfte, spielte er gut, selten überragend und selten wirklich schlecht. Wenn er nicht konnte, war auch alles ruhig und die Mannschaft spielte ähnlich wie mit ihm. Wenn er aber konnte und nicht durfte, war das Theater vorprogrammiert. Obwohl oder gerade weil sich Ballack zumeist aus den Medien heraushielt, sorgte das Thema Michael Ballack fast immer für Unruhe. Dabei war das Ballack-Theater ein hausgemachtes Problem. Wer zu einem guten defensiven Mittelfeld mit den Spielern Rolfes, Reinartz, Vidal, Bender noch einen Ballack (auf absteigendem Ast) verpflichtet, der muss mit Problemen rechnen, wenn 3 der 5 Spieler auf der Bank Platz nehmen müssen. Zusätzlich passte Ballack weder in das System von Heynckes noch in das System von Dutt, sodass beide Trainer Ballack nicht die von ihm und von Rudi Völler bei der Verpflichtung angedachte Rolle zuwiesen.

Fazit:

Am Ende einer langen Fehlerkette steht die Entlassung von Robin Dutt. Der junge Coach muss für Fehler büßen, für die er zu einem großen Teil gar nicht verantwortlich ist. 9 Monate Missmanagement und durchwachsene Leistungen haben dazu geführt, dass Leverkusen am gleichen Punkt wie vor der Amtszeit von Jupp Heynckes steht. Nun müssen Völler und Holzhäuser in Leverkusen einen Umbruch in die Wege leiten, damit man in Zukunft wieder positiver über Bayer 04 Leverkusen berichten kann. Sollte es ihnen nicht gelingen Leverkusen in die Erfolgspur zurückzubringen, wird in Zukunft auch über ihre Namen diskutiert.

3 Responses to Die Fehler der Ära-Dutt

  1. konny sagt:

    die fehler die gemacht worden sind sind viele und mannigfaltig, aber letztenendes lässt sich das ganze auf einen namen runterbrechen: holzhäuser. nicht mehr tragbar der mann, er hat die gröbsten schnitzer diese saison selber zu verantworten und hätte einige schnitzer von anderen verhindern können und verhindern müssen. er hat absolut kein gespür und zeigt grade wieder mit seiner fan-schelte, dass er absolut nichts aus dieser saison gelernt hat. was muss nötig sein, um in leverkusen die art von reformen zu starten, die nötig sind um den verein zu sportlich und finanziell zu stabilisieren und unseren demontierten ruf wieder herzustellen?

    • David sagt:

      Sehe ich genauso! Eine vernünftige Veränderung zum Start wäre ein Wechsel an der Spitze!

      Zum Artikel: Sehe ich ebenfalls so, Dutt hat nicht funktioniert, zum Teil schuldlos, halte ihn für einen guten Trainer, der Schritt war doch etwas zu früh oder zu groß! ABER: Er trägt die sportliche Verantwortung und ein guter Trainer sollte nicht nur seine Vorstellungen einbringen sondern die Taktik nach dem zur Verfügung gestellten Spielermaterial aufstellen! Das hat Slomka beispielsweise in Hannover auch gemacht! Sonst stimme ich den Punkten zu!

  2. […] etwas aufzubauen, wurde er in Leverkusen bereits innerhalb seiner Debütsaison entlassen, was zum Großteil nicht an seinen Fähigkeiten lag. Dabei zeugte vor allem seine Entlassung von großem Stil. Er verhielt sich bis jetzt loyal […]

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