Stefan Kießling – Die 4 Mythen

Wieder kein Pokalspiel in der BayArenaAls Bundestrainer Jogi Löw bei der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Kasachstan zu Stefan Kießling befragt wurde, rutschte ihm ein kleiner, aber interpretierbarer Halbsatz heraus, der den Stürmer von Bayer 04 Leverkusen wieder in die Schlagzeilen brachte. „Manchmal wird die Luft international dünner als in der heimischen Liga“, sagte der Bundestrainer, was er meinte, war: Kießling passt nicht in mein System. Warum wir diese Entscheidung nicht nachvollziehen können und welche Vorzüge der Stoßstürmer hat, werden wir im folgenden Kommentar beschreiben.

1. Kießling ist nicht torgefährlich

Eindrucksvoll hat Stefan Kießling in dieser Saison bewiesen, dass er auch torgefährlich sein kann. In 26 Spielen erzielte er 16 Treffer für die Werkself und bereitete zusätzlich noch 9 Treffer vor. Damit ist der gebürtige Franke der torgefährlichste Deutsche und auch die Torjägerkrone scheint ein realistisches Ziel zu sein. An 25 von 46 Treffern war er beteiligt, was einer Quote von knapp 55% entspricht. Dabei war Kießling mehrfach der Schütze zum wichtigen 1:0 und konnte damit seine Mannschaft auf die Siegerspur verhelfen. Zwar vergibt er, wie zuletzt in Mainz, auch hin und wieder eine Großchance, aber das machen andere Topstürmer auch. falsch 2

2. Kießling ist technisch zu schwach

Natürlich ist Kießling kein Dribbler und Techniker wie ein Götze oder Reus. Ihm verspringt auch schon mal ein Ball. In schnellen Kombinationen ist er teilweise auch das bremsende Element. Doch kann man dies nicht auch über alle anderen deutschen Stoßstürmer sagen? Trotz der Tatsache, dass sich Kießling in diesem Bereich in den letzten Jahren deutlich verbessert hat, ist dies seine größte Schwäche. Seine Stärken liegen augenscheinlich in einem anderen Bereich. Seine Ballbehauptung sucht in Deutschland seines Gleichen. Kein Spieler (außer Lewandowski) kann derart stark den Ball behaupten und verteidigen und kein anderer Offensivspieler ist bei langen Bällen derart dominant wie der schlaksige Kießling. Zudem ist er noch außerordentlich zweikampfstark. (Das sehe übrigens nicht nur ich so.) 90 Minuten ackert er in der Offensive der Werkself und ist sich für keinen Zweikampf zu Schade. Ob im aggressiven Pressing, oder beim defensiven Konterspiel, Kießling eignet sich für jedes Defensivkonzept. Es gibt wohl kaum einen Stürmer, der defensivstärker ist. Im Gegensatz zu den Götzes oder Özils der Fußballwelt hat die Art und Weise, wie Stefan Kießling Fußball spielt wenig künstlerisches und wenig Leichtigkeit. Fußball ist für den sympathischen Hobbykoch Arbeit, aber den Spaß an der Arbeit sieht man seiner Spielweise an und die Fans in Leverkusen lieben ihn gerade für diese „Drecksarbeit“. Betrachtet man diesen Punkt passt er sicherlich nicht in ein von Individualisten und filigranen Technikern geprägtes Team von Jogi Löw (Was übrigens auch auf Lars und Sven Bender zutrifft und ein Grund dafür ist, dass Löw oftmals die Tendenz dazu hat einen „Sechser“ durch einen Offensivspieler zu ersetzen).
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3. Kießling passt nicht ins System der Nationalmannschaft

Bundestrainer Jogi Löw bevorzugt einen schnellen Kombinationsfußball mit vielen flexiblen Positionswechseln. Vorbild ist der große FC Barcelona. In diesem System benötigt man natürlich keinen langen Stoßstürmer, sondern kleine quirlige Techniker und das ist Kießling nun wirklich nicht. Aber was passiert, wenn man 1:0 zurückliegt und nur noch wenige Minuten zu spielen sind? Sollen Reus und Götze dann mit langen Bällen gefüttert werden? Zumindest wenn Klose und/oder Gomez nicht fit sind, wäre ein Kießling allein für diesen Zweck sinnvoll. Für Plan A benötigt man Kießling sicherlich nicht, aber was ist mit Plan B und Plan C. Was passiert wenn der Gegner die Innenverteidiger aggressiv presst und ein langsamer organisierter Spielaufbau unmöglich ist (und der Spielaufbau der Nationalelf ist tatsächlich häufig sehr langsam)? Der lange Ball auf den einzigen Stürmer Götze (Reus, Podolski, Schürrle oder Özil), der sich im Luftzweikampf gegen einen Thiago Silva, Vidic oder Pique durchsetzen soll, ist relativ sinnlos. Besser wäre da ein Stürmer, der den Ball halten kann und seinen Mitspielern Zeit gibt, nachzurücken. In Leverkusen ist der lange Ball übrigens ein sehr effektives Mittel, wenn die Innenverteidiger gepresst werden, das war in der Partie gegen Dortmund sehr schön zu beobachten.
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4. Stefan Kießling besitzt kein internationales Format

Diese Aussage steht aktuell im Raum, doch Kießling hat international bereits seine Qualitäten nachgewiesen. In 42 internationalen Spielen schoss er bisher 9 Tore. Hört sich zwar wenig an, aber es ist mit Bayer 04 Leverkusen, die gegen fast jede Mannschaft mit internationaler Klasse defensiv stehen müssen, auch deutlich schwerer ein Tor zu erzielen als mit dem FC Bayern gegen Olympique Lyon, den FC Basel oder FC Valencia zu spielen. Der FC Bayern ist fast jeder Mannschaft überlegen und daher sind Tore international ähnlich wie national, vorprogrammiert. Kießling hat sich im letzten halben Jahr deutlich verbessert und wird in der nächsten Saison international beweisen können, ob er internationale Klasse besitzt. Vielleicht wird er dies sogar auf allerhöchstem Niveau in der Champions League unter Beweis stellen dürfen.falsch 3

Fazit: Tore nur das Sahnehäubchen

Jogi Löw wird weiterhin auf den Stoßstürmer der Werkself verzichten und notfalls eher auf ein System ohne echte Spitze zurückgreifen. Allen Kritikern können wir aus unseren zahlreichen Spielbeobachtungen sagen: Wer Kießlings Qualität an Toren misst, der hat die Spielweise eines Stefan Kießlings nicht verstanden. Selbst ohne Tore wäre Kießling ungemein wertvoll für seine Mannschaft, der Wert wäre nur nicht messbar.

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